Tobias Buckel: Raumaufstellung

 

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Raumaufstellung, 2016, Pigment, Leim, Acrylbinder auf Leinwand, 270×190 cm

Das Gemälde „Raumaufstellung“ markiert in der künstlerischen Entwicklung von Tobias Buckel den Übergang zum Großformat. Dunkle, rechteckige Farbflächen an den Rändern der in Grau gehaltenen Leinwand markieren einen bühnenartigen Innenraum. Darin dominiert eine vertikale und horizontale Pinselführung; immer wieder stellen sich aber Formen quer, so dass sich ein Spiel mit Perspektiven ergibt, das zwar Räumlichkeit evoziert, den erzeugten Raum aber gleichzeitig manipuliert.

 

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Lining, 2016, Vinylfarbe auf Leinwand, 240×180 cm

Horizontale und vertikale Linien, die aufeinandertreffen,wiederholen in „Lining“ die materielle Flachheit der Leinwand in der Malerei. Die blauen Linien sind freihändig aufgetragen, die Abstände zwischen ihnen daher nicht einheitlich. An manchen Stellen variiert der Farbauftrag in seiner Intensität. Trotz der Betonung von Flächigkeit werden so in „Lining“ die räumlichen Darstellungsmodi der Malerei aufgerufen.

 

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Versatzstück, 2016, Vinylfarbe, Pigment, Leim, Acrylbinder auf Leinwand, 140×110 cm

Ein Versatzstück benennt im Theater einen beweglichen und daher flexibel versetzbaren Bestandteil der Bühne. Das Versatzstück bleibt somit Teil einer Gesamtkomposition, kann aber seinen Ort verändern, zuweilen ganz verschwinden und später wieder erscheinen. In der Malerei Tobias Buckels, der oftmals ein Monate, manchmal Jahre andauernder Schaffensprozess zu Grunde liegt, treten längst unter den Farbschichten verborgene Formen zuweilen wieder in Erscheinung und werden in einen neuen Gesamtzusammenhang eingefügt.

 

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ohne Titel, 2016, Vinylfarbe, Metallic Gel Marker auf Leinwand, 73×60 cm

Im einzigen Gemälde in der Ausstellung ohne Titel kommen noch einmal verschiedene Techniken und Ansätze aus den anderen Arbeiten Tobias Buckels zusammen. Am oberen Rand etwa taucht die Grid-Struktur wieder auf, ebenso erfolgt deren bewusste Brechung hinsichtlich eines illusionistischen Bildraums. Neu hinzu kommt ein mit grünem Gelmarker bearbeiteter Bereich am linken Bildrand, der durch seine materiellen Eigenschaften den im Gemälde dominanten, gestischen Pinselstrich kontrastiert.

 

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Grid, 2016, Vinylfarbe auf Leinwand, 160×120 cm

In Tobias Buckels „Grid“ ist die Gitterstruktur ist nicht konsequent durchgehalten, das rechtwinkelige Verhältnis der Linien zueinander wird provokativ durchbrochen, zudem kommt dem gestischen Pinselstrich deutliches Gewicht zu. Während Mondrian in seine Farbfeldrastern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Weg vom Mimetischen hin zum Abstrakten verfolgte, erzeugt Tobias Buckel Spannung durch Gegenüberstellung von Räumlichkeit und Flachheit.

 

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Blank, 2015, Vinylfarbe, Pigment, Leim, Acrylbinder auf Leinwand, 150×110 cm

Der Kampf mit der weißen Leinwand steht am Anfang eines jeden Gemäldes. Die Macht der Leere, die dem Künstler in der Leinwand gegenübertritt, stellt eine enorme Herausforderung dar. Schon minimale Zeichen können Perspektiven evozieren, Farben können Gemütszustände hervorrufen. Die Leerstelle in der Mitte von Tobias Buckels „Blank“ zeigt die grundierte, unbearbeitete Leinwand und ruft so die Herausforderung an den Maler ins Gedächtnis.