2016

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22. September bis 6. November 2016
 

Anahita Razmi: BEAT SHEETS

 
Anahita Razi
 
 
Stereotypen, Klischees und Geschlechterrollen sind in jeder Gesellschaft schnell gefunden. Sie jedoch weitestgehend wertfrei zu erkennen, aufzuzeigen und neu zu konnotieren, gestaltet sich meist etwas schwieriger. An dieser Stelle leistet das künstlerische Werk der in Berlin lebenden Künstlerin Anahita Razmi Kulturarbeit, und zwar demokratische. In ihren Video- und Performancestrecken widmet sich Razmi nicht selten den kulturellen und gesellschaftlichen Begebenheiten im Mittleren Osten. Hierbei kommt die Künstlerin ohne erhobenen Zeigefinger oder romantisierende Gesten aus; sie selbst versteht sich vielmehr als Dokumentaristin, die mittels satirischer Momente und gezielt gesetzter Widersprüche ein neu collagiertes Bild von Realität zu zeichnen sucht.
Bestes Beispiel an dieser Stelle die Videoarbeit „HERE SCRIPTS“, die als eine von zwei Arbeiten Teil der Ausstellung „BEAT SHEETS“ ist. Für „HERE SCRIPTS“ reiste Razmi eigens nach Marokko, um sich mit der Frage zu beschäftigen, was ein Ort ist, der eigentlich keine Identität hat. Ziel ihrer Reise waren die Atlas Studios in Ouarzazate, eine Filmproduktionsstätte in der Wüste außerhalb von Marrakech, die seit Jahren als Kulisse für Orientfilme und Hollywoodstreifen dient. Während dort vor allem fiktive Schauplätze anderer Welten kreiert werden, steht die Stätte als solche in keinerlei direktem Zusammenhang mit der Kultur des umliegenden Landes.
Ihre in den Atlas Studios gedrehten Videoaufnahmen paarte Razmi mit den Audiorecordings von Originalzitaten aus den dort entstandenen Filmen. Das Ergebnis zeigt in seiner subtilen Widersprüchlichkeit: Das ‚HERE SCRIPT’ ist eigentlich ein ‚NOWHERE SCRIPT’ und die Identität des Ortes begründet sich wenn überhaupt mehr in filmischer Imagination als in einer gesellschaftlichen und kulturellen Entsprechung.
Auch die zweite Arbeit der Ausstellung widmet sich dem Unsichtbaren im Sichtbaren. Die frühe Fotoarbeit „China Girl“ bezieht sich auf eine weitestgehend unbekannte Protagonistin der Filmwelt. Als Relikt der analogen Zeit stand früher am Anfang einer jeden Filmspule ein Mädchen, die mit Farbstreifen das Colorgrading der Rolle kennzeichnen sollte. Nur für den Filmabspieler von Bedeutung, blieb sie für den Zuschauer unerkannt. Während es für die tatsächliche Herkunft des Namens „China Girl“ keine eindeutige Erklärung gibt, spannt Anahita Razmi den Bogen zum asiatischen Raum selbst. Da die Arbeit während eines Aufenthaltes in China entstand, lässt die Künstlerin eine Verortung zu, die so vorher ohne Kontext war.
In ihrer Fotoarbeit wird sie selbst zum „China Girl“, zum Mädchen ohne tatsächliche Verortung, ohne eigentliche Geschichte. Ähnlich wie auch in den „HERE SCRIPTS“ dominiert erneut das Wechselspiel aus Sichtbarem und Unsichtbarem, aus vermeintlichem und persönlichen Kultur- und Identitätsverständniss ohne den Bezug zum filmischen und fotografischen Medium zu verlieren.
 
 

 
 

28. Oktober bis 30. Oktober 2016
 
„Virtual Art Experience“
 
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Galerie Sturm präsentiert im Rahmen der ConsumArt 2016 mit der „Virtual Art Experience“ erstmals eine Galerieausstellung in der Virtual Reality (VR).
Dieses in Deutschland bisher wohl einmalige Pilotprojekt beschreitet neue Wege in der digitalen Präsentation realer Kunst.
In Zusammenarbeit mit professionellen VR- und Softwarespezialisten hat Galerie Sturm echte Kunstwerke (Gemälde und Skulpturen) dreidimensional in sehr hoher Qualität digitalisiert und präsentiert diese via VR sehr authentisch anmutend in einer kuratierten digitalen Ausstellung.

Zu sehen sind Gemälde von Tobias Buckel (DE) und Skulpturen von Jude Griebel (CAN).
 
Galerie Sturm erhofft sich von diesem Pilotprojekt Erkenntnisse über das Erleben und
Empfinden der Besucher von Kunst in virtueller Realität, um die bereits über ein Jahr
andauernde Entwicklung voranzutreiben und mit seinen Partnern
 
  
 
 
Tobias Buckel: Raumaufstellung

23. Juni bis 7. August 2016

 

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Pool, 2016

 

 

weitere Bilder und Audioaufnahmen
 
Zu dieser Ausstellung können Sie erstmalig weitere Informationen direkt über Ihr
Tablet oder Smartphone abrufen:

So geht’s:
Schritt 1: Laden Sie die kostenlose Blippar App aus dem Apple AppStore oder Google Play auf Ihr Gerät.
Schritt 2 : Öffnen Sie Blippar und halten Sie Ihr Gerät über das Titelbild „Pool“ (siehe oben).
Schritt 3: Tippen Sie auf die erscheinenden Symbole.

In der Ausstellung erhalten Sie mit dieser App ebenfalls weitere Info’s über die einzelnen Arbeiten.
blippar

 

Mit „Raumaufstellung“ zeigt die Galerie Sturm eine Einzelausstellung von Tobias Buckel.

Spannung erzeugt Tobias Buckel in seinen Gemälden durch gegenständliche Verweise innerhalb abstrakter Bildkompositionen. Wenn der Künstler Farbflächen und formale Setzungen auf der Leinwand zueinander in Beziehung bringt, scheinen sich immer wieder Bezüge zur Alltagswelt aufzutun.

Tobias Buckel macht so deutlich, dass ein abstraktes Bild manchmal nur einen Finger breit von einer gegenständlichen Darstellung entfernt ist. Ein gegenständliches Bild etwa setzt sich aus einer Kombination von Flächen mit einer spezifischen Farbauswahl zusammen, rein abstrakte Bilder hingegen rufen oftmals Figuren oder Gegenstände in der Assoziation des Betrachters auf.
In den Gemälden, die Tobias Buckel in der Ausstellung „Raumaufstellung“ zeigt, dominieren horizontale und vertikale Linien. Diese Formensprache – vom Künstler sorgfältig gewählt – hat zur Folge, dass die Bilder auf den ersten Blick sehr flächig erscheinen. Allerdings wird dies immer wieder durchbrochen, wenn Perspektiven angedeutet werden oder nebeneinanderliegende Farbflächen räumliche Tiefe evozieren. Genaues Hinschauen eröffnet zudem, dass die Leinwände an manchen Stellen mehrfach bearbeitet wurden, dort also eine ganze Reihe an Farbschichten übereinander liegen.
Tobias Buckel verfolgt in den einzelnen Arbeiten der Ausstellung unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, dennoch gelingt es ihm, Bezüge und Querverweise zwischen den Gemälden herzustellen.

Vor seinem Malerei-Studium bei Thomas Hartmann an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und seinem Abschluss am Chelsea College in London 2011 hatte Tobias Buckel bereits einen Diplomstudiengang in Kommunikationsdesign absolviert. Während Design insbesondere durch Funktionalität und auf den Konsumenten ausgerichtete Zeichenhaftigkeit bestimmt ist, setzen die Gemälde Buckels genau auf der gegenüberliegenden Seite an: Er befragt die Malerei nach ihrer Wesenhaftigkeit, nicht nach ihrem Verhältnis zu anderen Kunst-gattungen wie der Photographie oder der Skulptur. Seine Arena ist die Leinwand, die Beziehung der Farben, Formen und Flächen in Hinblick auf das Medium der Malerei an sich steht im Zentrum seiner Arbeitsweise.

Jürgen Dehm

 
 
 
Gloria Zein: ohne Helm und ohne Hose

28. April bis 12. Juni 2016

 
 
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Mit „ohne Helm und ohne Hose“ zeigt die Galerie Sturm eine Einzelausstellung von Gloria Zein.

Während Gloria Zein bislang vor allem durch architekturbezogene Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum oder großformatige Skulpturen aus oftmals industriellen Materialien in Erscheinung getreten ist, umfasst ihre aktuelle Präsentation Keramiken eher kleineren Formats, die während der vergangenen drei Jahre entstanden sind.

Ein ihrem Werk inhärenter Bezug zur Architektur bleibt jedoch in aus Lochblech gefertigten Tischen, die als Präsentationsmittel der verschiedenartig glasierten Tonobjekte fungieren, latent erkennbar. Der konstruktiv-funktionale, serielle Charakter des industriellen Materials kontrastiert mit den weichen, organischen Formen der handgefertigten Keramiken, seine raue, rationale Oberfläche mit der von zufälligen Sprenkeln und Farbverläufen gekennzeichneten Glasur der Objekte sowie ihrer Farbgebung, die manches Mal an Inkarnat denken lässt und den menschlichen Körper konnotiert. Somit inszeniert die Kombination von Objekten und Tischen das Verhältnis von strukturgebendem Gerüst und individuellem Antlitz verleihender Hülle, welches nicht nur der Architektur eignet, sondern auch bspw. dem Subjekt und der Gesellschaft – sowie nahezu allen komplexen Konstrukten, als deren Urbild der Körper in seiner symbolischen Form auftritt.

Gleichwohl bleibt schwer zu bestimmen, ob hier eine symbolische Form verleihende Struktur, das Skelett der Lochblechtische, von den organischen Keramiken freigelegt wird oder im Gegenteil erst verdeckt werden soll. Mehr noch, die Keramiken selbst erscheinen gleichsam ambivalent: Wie verkohlte Rückstände einer ehemals unversehrten und lieblicheren Form oder bisweilen an Prothesen, Korsette und Wundverbände erinnernd, evozieren sie Wunden und Verletzlichkeit, sind zugleich aber die Spur von Gewalt. Von einer früheren zerstörerischen Kraft zeugend, konfrontieren sie den Betrachter zwar unbewaffnet ganz ohne Helm und ohne Hose, provozieren ihn dabei jedoch mit ihrer Widerstandskraft und ihrer Weigerung des Vergessens und Verschweigens. Ihre Wunden, Pflaster und Korsette präsentierend, treten sie einem ohne Distanz und ohne Scham entgegen und offenbaren ihr Angesicht, in dessen Spiegel künftige Konflikte wie ein Menetekel sichtbar werden.

Anna Grande

 
 
 
Micha Patiniott: Rauchzeichen

10. März bis 17. April 2016

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Hourglasses, 2016

Wie Wolken, die durch einen leeren Himmel ziehen, oder die flimmernde Bilder auf einer weißen Kinoleinwand handelt Micha Patiniotts „Rauchzeichen“ von der flüchtigen, sich ständig verändernden Natur der Form, die der ewigen Stille der leeren Leinwand entgegengesetzt ist.

Für Patiniott ist jede durch Form gefundene Bedeutung trügerisch und vergänglich. Dies deutet letztlich auf ihren Ursprung und Ende hin: Abwesenheit oder Transzendenz der Bedeutung selbst. Der menschliche Geist, dessen Funktion es ist, Objekten Bedeutung zu geben, mag dies als absurd oder ein bisschen erschreckend ansehen – er kann sich aber auch davon angezogen fühlen, wie von einem sich öffnenden Raum mit unbestimmtem Ende.

Die Bilder in „Rauchzeichen“ sind auf diese dazwischen liegenden Augenblicke ausgerichtet. Das offenkundige Thema ist häufig der sensorische Aspekt des Malens/der Bilder. Menschliche Figuren und vermenschlichte Objekte sind zu sehen, wie sie ihre Umgebung und einander durch Berühren und Anschauen erforschen. Das Bildhafte vermischt sich unbekümmert mit Abstraktion und umgekehrt. Patiniott zeigt, wie aus formalen Elementen – Material, Komposition, Schatten, Licht, Gestalt und Format – Beziehungen entstehen, die die figürliche und illusionäre Bedeutung eines Bildes entweder nachweisen oder entlarven. Auch auf einer narrativen Ebene vibriert der Inhalt der Bilder zwischen verschiedenen – oft gegensätzlichen – Möglichkeiten. Die mit Humor, Verspieltheit und manchmal kaum verhüllter Gewalt übersäten Werke verkünden: „Alles, was ist, kann immer auch anders sein.“

Visuelle Motive wiederholen sich, manchmal im gleichen Kontext oder als Duplikat – zum Beispiel in der Arbeit „Ungläubigkeit“ (2013), bei der eine digitale Zeichnung als leicht verändertes Double neben einem in Öl auf Leinwand der gleichen Szene erstellten Gemälde fungiert. Die Wiederholung von Motiven, die sich über das ganze Werk spannt, umfasst den leeren Hintergrund, die Lampe, das Auge, die Hand und den mit Farbe gefüllten Pinsel oder Zeichenstift. Ein vorherrschendes Motiv ist das des Leinwand- / Bild-Rahmens. Viele Gemälde verhalten sich wie ineinander verschachtelte Puppen; ihr Inhalt scheint sich seines Charakters als Gemälde bewusst zu sein und stellt sich damit in sich selbst dar. Dies geschieht sowohl formal durch das Spiel mit Gittern und Rahmen-in-Rahmen als Strukturprinzip und narrativ durch Abbildung menschenähnlicher Leinwände, die sich in karikaturhaften Szenen ergehen. Eine leere Leinwand mit Armen und Beinen, die auf einem mittelalterlichen Wagenrad gestreckt und gefoltert wird, während das Rad in der Tat bricht („Breaking Wheel“, 2014), eine gebogene Leinwand, die durch die Luft schwebt wie ein Sattel ohne Pferd oder ein taumelnder Geist ( „Aufsatteln!“, 2014), eine einzelne, in einem dunklen Raum stehende Leinwand mit gekrümmten, mit Riemen gefesseltem „Körper“, der an eine Zwangsjacke erinnert und den Buchstaben C („C wie in Canvas“, 2014) trägt.

Im Gemälde „Index“ (2015) hält die abgebildete androgyne Person eine leere Leinwand in die Höhe. Die Umrisse ihrer ausgestreckten Arme bilden einen Rahmen, als ob Keilrahmenleisten unnatürliche, weitere Gliedmaßen bilden. Der Umriss und die Farben seiner Umgebungen – einige dunkel und andere licht – werden wie in einem Puzzle abgebildet und rahmen buchstäblich auch den Körper ein. Während ein Auge von einer Haarsträhne bedeckt wird, schaut das andere unverwandt auf die leere Leinwand. Von hinten stößt sein Zeigefinger durch die Leinwand und berührt beinahe sein Auge. Die Bedeutung von „Index“ bildet ein Scharnier am unsichtbaren Punkt der Aufmerksamkeit, genau zwischen Betrachtung und Berührung. Es wirkt so, als drückte die Arbeit eine Neugier aus, festzustellen, ob sie die Grenzen ihrer eigenen Fragestellung überschreiten kann, was zu einer undefinierbaren Leerstelle führt. Dieser einzelne Ausgangspunkt findet seinen sichtbaren Kontrapunkt in der Vielzahl schwarzer Flecken, die um das ganze Bild herum gemalt sind und kleine Nägel in einer gestreckten Leinwand suggerieren.

 

 
 
 
The Laocoön Dilemma
kuratiert von Jürgen Dehm
 
12. November 2015 bis 17. Februar 2016
 
Schaufenster am Trödelmarkt

Im Winter 2015/16 wirft die Galerie Sturm einen Blick über die Ränder der Künste. Ein kuratiertes Screening-Programm, gezeigt im Schaufenster der Galerie am Trödelmarkt in Nürnberg, bringt zehn Videos internationaler Positionen zusammen, die sich dem Mit- und Zueinander künstlerischer Medien, Gattungen und Verfahrensweisen widmen. Statische und bewegte Bilder vermischen sich oder geraten in Konfrontation, architektonische Formen und Strukturen sowie Landschaften werden im Fluss von Videoaufnahmen präsentiert, Kunstgeschichte wird zitiert oder variiert.

 
 
 
10. – 17. Februar 2016
Yi Lian: Under Current, 2012
HD Video, Farbe und s/w, Ton, 9:51 min.

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Yi Lian: Under Current, 2012, Videostill

 

Den Abschluss der seit November 2015 im Schaufenster der Galerie Sturm am Trödelmarkt in Nürnberg gezeigten Screening-Reihe „The Laocoön Dilemma“ bildet das Video „Under Current“ des jungen chinesischen Künstlers Yi Lian. Ein somnambuler Junge bewegt sich darin durch eine nächtliche Fußlandschaft, wandelt vorbei an Tümpel mit Schildkröten, Enten und Fröschen, ohne diese zu bemerken. Auch die auf der Wasseroberfläche treibenden Männer, halbnackt und leblos, registriert er nicht. Untrennbar verwoben sind in Yis Video Realität, Traum und Halluzination, wiedergegeben in einer Naturwelt aus farbenprächtigen Bildern. Der Einsatz intensiver Farben ist dem 1987 geborenen Künstler, der vor wenigen Jahren an Makuladegeneration erkrankte und seitdem langsam erblindet, ein besonderes Anliegen.

 
 
 
2. – 10. Januar 2016
Kevin Pawel Matweew: Die Grenzen des Sagbaren, 2015
Video, Farbe, ohne Ton, Loop

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Die Grenzen des Sagbaren, 2015, Videostill

Kevin Pawel Matweew stellt mit seinem Video „Die Grenzen des Sagbaren“ einen direkten Bezug zur Geschichte Nürnbergs her. In der Stadt der Reichsparteitage plädiert er für einen verantwortungsvollen, reflektierten Umgang mit einem verbotenen Symbol, dem Hakenkreuz.
„Die durch Matweew initiierte Transformation des wohlbekannten Symbols in ein neues ästhetisches Phänomen führt dem Betrachter unmittelbar vor Augen, dass historische Embleme und die ihnen beiwohnenden Traumata keineswegs durch Praxen der Tabuisierung und Kategorisierung zu bändigen sind, sondern einer dynamischen Reflexionsform bedürfen, welche die zum Lehrstück geronnene Geschichte samt ihrer Zeichen bisweilen als unbenannte Bilder zurück in unsere Gegenwart wirft.“ (Stefan Vicedom)
Seine Arbeit funktioniert somit als Mahnung, sie erinnert an die Gräuel des Nationalsozialismus.
Das Screening von „Die Grenzen des Sagbaren“ startet an einem für Nürnberg geschichtsträchtigen Tag. Am 2. Januar 1945 reagierten die Alliierten auf die „Stadt der Reichsparteitage“ mit einer nicht nur symbolischen Wucht; der Luftangriff an diesem Tag forderte 1800 Tote und 3500 Verletzte. Die Nürnberger Altstadt wurde fast vollständig zerstört, 100 000 Nürnberger wurden obdachlos. Das Video ist bis zum 10. Januar zu sehen, dem Tag, an dem die Löscharbeiten beendet wurden.

 
 
 
11. – 20. Januar 2016
Laetitia Gendre: The Erased, 2014
Video slide show, ohne Ton, 3:52 min.

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The Erased, 2014, Videostill

Mit seinem in den 1920ern begonnenen, unvollendet gebliebenen Mnemosyne-Atlas unternahm der Kulturwissenschaftler Aby Warburg eine Untersuchung über das Fortleben der Antike hinein bis in die Gegenwart. Ihn interessierte die Transformation von Bildmustern sowie deren Rekonstitution quer durch das historische Bildarchiv, vom Kunstwerk bis zur Alltagsfotografie. Die zusammengetragenen Abbildungen arrangierte er sorgfältig auf mit schwarzem Stoff überzogenen Bildtafeln. In „The Erased“ entledigt die französische Künstlerin Laetitia Genadre Warburgs lediglich in Form von Fotografien erhaltenen Bildtafeln ihres Inhalts. Dazu pauste sie aus einzelnen Bildtafeln des Mnemosyne-Atlas lediglich die Struktur der Bildanordnungen ab, was auf den Bildern zu sehen war aber ließ sie außer Acht. Für die Slide Show ließ die französische Künstlerin Fotos ihrer Zeichnungen von einer Software per Zufall kombinieren und variieren. Die „Ikonologie des Zwischenraums“, die Warburg mit dem Mnemosyne-Atlas verfolgte, spielt sich bei Gendre somit nicht auf den Bildern, sondern zwischen deren Rahmungen ab.

 
 
 
21. – 30. Januar 2016
Marian Tubbs: Another Rape in my quiet Queensland Bay, 2003
SD Video, ohne Ton, 1:06 min.

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Another Rape in my quiet Queensland Bay, 2003, Videostill

Marian Tubbs Arbeiten setzen sich mit philosophischen Fragen zur Form auseinander. Insbesondere die Schnittstellen von Materialität und Wert, zu Genuss und Realität stehen dabei im Vordergrund. Ihre erste Videoarbeit aus dem Jahr 2003 gibt den Blick von einer Klippe der Alexander Bay im australischen Bundesstaat Queensland wieder, in deren Nähe die Künstlerin aufwuchs. Diese Bucht ist der Bevölkerung insbesondere durch Fälle sexuellen Missbrauchs im Gedächtnis geblieben. Tubbs Aufnahmen des unruhigen Seegangs werden immer wieder scheinbar von orangen Farbflecken unterbrochen. Erst nach längerem Hinsehen stellt sich heraus, dass diese Störungen von einer im Wind wehenden Strumpfhose, die in der Nähe der Kamera befestigt ist, hervorgerufen werden. Das Gefühl des Umheimlichen, das sich beim Betrachten von Tubbs Spiel mit Abstraktion und konkreter Form einstellt, evoziert bereits der Titel der Arbeit, „Another Rape in my quiet Queensland Bay“.

 
 
 
31. Januar – 9. Februar 2016
Julia Weißenberg: Nothing to retain, 2014
HD Video, Ton, 7:09 min.

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Nothing to retain, 2014, Videostill

Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe entwarf in den 1930er Jahren ein Clubhaus für den neu gegründeten Golfclub in Krefeld. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise wurde es jedoch nie gebaut. 2013 wurde am ursprünglich vorgesehenen Standort, heute eine typische Agrarlandschaft, ein begehbares, temporäres Architekturmodell im Maßstab 1:1, nach den Originalplänen, errichtet. Das zum größten Teil aus Holz gebaute Modell war von Mai bis Oktober 2013 zu besichtigen. Ausgangspunkt der Videoarbeit „Nothing to retain“ war die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit von Ideen, Vorstellungen, Entwürfen und der Frage was mit einem in der Vergangenheit entworfenen Konzept geschieht, wenn man versucht, es in die Gegenwart zurück zu holen.