2015

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The Laocoön Dilemma
kuratiert von Jürgen Dehm

12. November 2015 bis 17. Februar 2016

Schaufenster am Trödelmarkt

Im Winter 2015/16 wirft die Galerie Sturm einen Blick über die Ränder der Künste. Ein kuratiertes Screening-Programm, gezeigt im Schaufenster der Galerie am Trödelmarkt in Nürnberg, bringt zehn Videos internationaler Positionen zusammen, die sich dem Mit- und Zueinander künstlerischer Medien, Gattungen und Verfahrensweisen widmen. Statische und bewegte Bilder vermischen sich oder geraten in Konfrontation, architektonische Formen und Strukturen sowie Landschaften werden im Fluss von Videoaufnahmen präsentiert, Kunstgeschichte wird zitiert oder variiert.

Eröffnungsscreening
 
12. November 2015 um 19.30 Uhr
Malte Bruns: Sitzung, 2015
HD Video, Farbe, ohne Ton, Loop

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Malte Bruns, Sitzung, 2015, Videostill

 

Ein Golem tritt in Malte Bruns „Sitzung“ einem körperlosen Kopf gegenüber. Wie eine Erscheinung schwebt dieser in der Luft, raucht eine Zigarette, setzt zu einem Gespräch, zu einer Konfrontation an. Der Erweckungsprozess des künstlerischen Materials in Bruns‘ Video trägt Züge des Grotesken. Der Mund der Maske verformt sich, pafft am Glimmstengel, stößt Rauchwolken aus. Die Gegenüberstellung der beiden Protagonisten reflektiert zudem den Akt des Schauens, indem sie die Positionen von Betrachter und den im Schaufenster der Galerie Sturm am Trödelmarkt gezeigten Videos wiedergibt.

 
 
 
23. November – 2. Dezember 2015
Inge Meijer: Grand Tour, 2015
HD Video, Farbe, Ton, 6:32 min.

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Inge Meijer, Grand Tour, 2015, Videostill

Fassaden des Vergnügens versammelt die holländische Künstlerin Inge Meijer in ihrer jüngsten Videoarbeit „Grand Tour“. Meijer begibt sich darin auf die Spuren des modernen Tagestourismus, der mit seinen modellierten Angeboten sowohl Eskapismus als auch klischierte Wunschvorstellungen befriedigen möchte. Auf ihrer Reise entdeckt sie eine Simulation der Tropen auf der nördlichen Hemisphäre oder eine holländische Windmühle am türkischen Strand. Die Neugier auf die Auswirkungen von Katastrophen scheinen Führungen durch radioaktiv verseuchte Gebiete in der Ukraine befriedigen zu wollen. Mit ihrer „Grand Tour“ gelingt es Meijer, sowohl die Verknüpfung von Ideologie und Tourismus als auch die Absurdität mancher „Oasen des Glücks“ aufzudecken.

 
 
 
3. – 12. Dezember 2015
Anita Delaney: Untitled (Gentleman’s Head), 2011
HD Video, Farbe, ohne Ton, 2:00 min.


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Untitled (Gentleman’s Head), 2011, Videostill

Unbewegte Objekte erweckt Anita in ihren performativen Videoarbeiten zum Leben. In „Untitled (Gentleman’s Head)“ aus dem Jahr 2011 spielen in Krallenhandschuhen steckende Hände Hütchenspiele mit dem Kopf eines ehrenwerten Herren. Für den Gummikopf des Gentleman wird letztlich aus dem lockeren Spiel bitterer Ernst. Die irische Künstlerin Delaney erforscht in ihren Arbeiten eine Ästhetik des Scheitern, sucht einen Mittelweg zwischen Versagen, Ekel und Humor. Dazu wählt sie die Nahaufnahme, wodurch die Konturen der von ihr ausgewählten Gegenstände betont werden. Die Handelnden, durch deren Antrieb die Dinge bewegt werden, erscheinen nur fragmentarisch.

 
 
 
13. – 22. Dezember 2015
Anna Hawkins: With Outthrust Arm, 2014
HD Video, Farbe, Ton, 4:58 min.

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Anna Hawkins: With Outthrust Arm, 2014, Videostill

In ihrem Video „With Outthrust Arm“ widmet sich die junge amerikanische Künstlerin Anna Hawkins einem zentralen Werk der kunsttheoretischen Auseinandersetzung: Bis heute wird die Skulptur „Laokoon und seine Söhne“ – besonders intensiv seit der Entdeckung der Marmorkopie im Jahr 1506 – für Überlegungen zur Grenzbestimmung von Künsten und Gattungen herangezogen. Die von Amateuren gefilmte und auf Youtube präsentierte Skulptur schneidet Hawkins in ihrem Video aus ihrem Umfeld, den Vatikanischen Museen, heraus, zerlegt sie in Einzelteile und setzt sie schließlich neu zusammen. Die Dekonstruktion und Rekonstruktion befreit das Kunstwerk von den bekannten, vor allem auf die Narration bezogenen Lesarten, durch die Nutzung digitaler Bildbearbeitungstechniken setzt sich die Künstlerin gekonnt über die Beschränkungen der Gattungen hinweg.

 
 
 
23. Dezember 2015 – 1. Januar 2016
Sonja Engelhardt: Crying about the Passing of Time, 2005
Video, Farbe, ohne Ton, 2:00 min.

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Sonja Engelhardt: Crying about the Passing of Time, 2005, Videostill

Sonja Engelhardts poetische Arbeit „Crying about the Passing of Time“ rekurriert auf einen Klassiker des surrealistischen Film, auf Luis Buñuels und Salvador Dalís Un chien andalou (1928/29). Die Großaufnahme eines Schnitts mit einer Rasierklinge durch einen Augapfel. Darin wurde sowohl als Aufbruch tradierter Sehgewohnheiten als auch als Reflexion über das Medium Film an sich interpretiert. In Engelhardts kurzer Aufnahme erfolgt der radikale Schnitt nicht durch ein Auge, sondern an den Wimpern der Künstlerin. Wimper um Wimper schneidet sie sich mit einer Schere zaghaft ab. Die scharfe Klinge bedroht zwar den Sehsinn, dieser bleibt letztlich aber erhalten. Im Verstreichen der Zeit fallen Wimpern wie Tränen herab, werden zuweilen vom Jochbein und Oberkiefer gestoppt, letztlich zieht sie die Schwerkraft nach unten.

 

 

Kai Klahre: Öldurst

17. September bis 1. November 2015

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Konquistador, 2015

für weitere Arbeiten klicken Sie bitte hier

 

 

Jude Griebel: Wasted

2. Juli bis 16. August 2015

 

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Greaser, 2015

 

„I love you more than all the plastic in the ocean“

Der kanadische Künstler Jude Griebel belauscht diesen ungewöhnlichen Abschied von Liebhabern. Die Aussage offenbart ein Verständnis von Weite- von etwas Erhabenem in seinem Maßstab – das sich nicht durch die eigene Bedeutungslosigkeit im Vergleich mit den unglaublichen Kräften der Natur messen lässt. Im Gegensatz zu dem Erhabenen der Meere und Berge in Caspar David Friedrichs Gemälden, ist die unaufhaltsame Kraft und unvorstellbare Weite, die der Liebhaber beschreibt, symptomatisch für zeitgenössische Konsummuster. Eine einzelne Flasche wegzuwerfen, ist eine Gedankenlosigkeit, aber als kollektive gewohnheitsmäßige Handlung erzeugt sie eine so große Masse im Ozean, dass sie weder Anfang noch Ende zu haben scheint – genau wie die romantische Liebe.

Das zöllische Messsystem ist ein Beweis dafür, wie wir unseren Körper verwendet haben, um das Undenkbare in verständlichen Einheiten zu skalieren. Der Körper als ein Messsystem gilt auch für Ideen, wie in der Darstellung der Tugenden als allegorische Figuren bei klassischen Künstlern. Das Problem bei der Verwendung verkörperter Darstellungen um abstrakten Konzepten eigene und lebendige Formen zu geben, ist die inhärente Annahme einer Stabilität des Körpers. Körper wachsen, schrumpfen, erweitern sich und werden undicht. Sie können gegenseitig ihre Oberflächen durchdringen, sie können in neue Formen erzogen werden. Und in der Tat macht die elende Natur unserer Körper diese zu einem inkonsistenten Messwerkzeug.
Griebels Serie Wasted gibt natürlichen und unnatürlichen Katastrophen menschliche Formen, vom monströsen Gesicht einer Ölpest, bis zu einer Figur mit Bootskopf und Fischkörper. Dies sind die bösen Kinder der akribischen, von Hand gefertigten Herstellung des Künstlers, so unvollkommen wie ein stinkender, behaarter Fuß als Maßeinheit. Aber diese Unvollkommenheit ist kein Verlust.
Griebel bietet verkörperte Formen der natürlichen und vom Menschen verursachten Tragödien, die auf Skalen oft unmöglich zu begreifen sind. Inspiriert durch Besuche von Darstellungen der Naturgeschichte und exzentrischen Sammlungen auf der ganzen Welt, vermischt Wasted diese Bezugspunkte mit der Ästhetik der handgemachten grotesken Requisiten aus Horrorfilmen der 1980er Jahre, der Jugend des Künstlers, und gibt der gegenwärtigen angstvollen Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt eine Form.
In Wasted verkörpern die Figuren den bitteren Schrecken der Auseinandersetzung mit dem Anthropozän: im Gegensatz zu den ordentlichen, hierarchischen Kategorien im aufklärerischen Denken, können wir in unserer planetaren Epoche nicht länger leugnen, dass die Zukunft unserer Spezies komplett und hoffnungslos mit unserer materiellen Welt verflochten ist, und umgekehrt. Griebels Figuren verleihen dieser Auseinandersetzung mit unserem Platz auf dem Planeten Form, ihr Elend spiegelt die persönlichen, psychischen Turbulenzen in dem Versuch, unseren Platz im Universum zu überdenken. Wir können nicht mehr wie Friedrichs Mönch am Meer sein, der Gottes Allmacht in jeder massiven Ozeanwelle kontempliert. Gott ist tot und wir haben ihn schon vor langer Zeit getötet. Stattdessen sind wir wie in Griebels Arbeit in riesigen Haufen von Fisch und Bergen von Flaschen uns selbst ausgeliefert, in einem Zusammenbruch von Ekel und Lust.

 

 

KATALYSATOR KUNST

29. Juli bis 14. August 2015

In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat zeigt die Galerie Sturm eine Gruppenausstellung der Galeriekünstler.

 

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Ausstellungsort: Großer Saal des Staatministeriums, Bankgasse 9, 90402 Nürnberg

 

 

 

Schauraum am Trödelmarkt

Isabel Ritter

11. Mai bis 21. Juni 2015

 

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Frau mit Kind 2014 – Petra, 2015 – Fernweh 2015

Galerie Sturm freut sich in einem Sonderprojekt im Schauraum am Trödelmarkt drei neue Skulpturen von Isabel Ritter zu zeigen.

Frau mit Kind, 2014, Hartgips, Acrylfarbe, 63x17x16 cm
Petra, 2015, Hartgips, Acrylfarbe, 62x13x11 cm
Fernweh, 2015, Hartgips, Acrylfarbe, 65×15 x13 cm

Isabel Ritter, geb. 1978, hat an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert
(Meisterschülerin Prof. Lehanka). Sie lebt und arbeitet in Nürnberg.

Malte Bruns: I‘ve done … questionable things

19. März bis 10. Mai 2015

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Golem, 2015, UltraChrome Print

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Galerie Sturm freut sich, die Einzelausstellung „I`ve done … questionable things“ von Malte Bruns präsentieren zu dürfen.

„I`ve done … questionable things“ – mit diesem Satz bekennt der Replikant Roy in dem amerikanischen Science Fiction Film Blade Runner (1982), Menschen getötet zu haben. Angezogen von der artifiziellen Filmwelt der Mensch-Maschinen, ihrem spezifischen Szenen- und Maskenbild und den dazugehörigen Erfindern extrahiert Malte Bruns seine laborhafte, brüchige ‘Wunderkammer‘. Die Replikanten sind, von Ihren Kreateuren in biogenetischer Zusammensetzung perfekter als der Mensch selbst designed, von echten Menschen so gut wie ununterscheidbar – so perfekt, dass sie nach einiger Zeit durch implementierte Erinnerung Emotionen und Empathie entwickeln können. Diese Anlage verwischt die Grenze zwischen Mensch und Replika(n)t und sie inszenieren sich darin oft menschlicher als der Mensch selbst.

Roys Satz erzeugt einen eigenwilligen Schwebezustand, indem er scheinbare Oppositionen (Mensch-Replikant) auflöst und in einen Metakommentar verkehrt.
So unterstellt Roy sich zwar selbst das Tun von fragwürdigen Dingen, stellt aber gleichzeitig die Frage in den Raum, wer eigentlich Derjenige ist, der fragwürdige Dinge tut oder getan hat.

In Malte Bruns installativen Video- und Foto Arbeiten zeigen sich Verweise auf Atmosphären und Themen, die die Welt der Arbeit, der Mechanik und Maschine medial aufgreifen. Sein sowohl rückwärts gewandter Blick in Realitäten und Neuerungen der industriellen Revolution, als auch der nach vorne gerichtete in heutige Illusionstechniken und Animationsmöglichkeiten, reflektiert den Erfinder- und Fortschrittsgeist, dem nichts unmöglich ist. Aus der intensiven Rezeption dieser Welten katalysiert und (de)konstruiert der Künstler Bildsujets, Maskenbilder und pseudowissenschaftliche Aufbauten. Es vermittelt sich ein eigenes Substrat aus surreal-rätselhaften Kompositionen, kühl-geheimnisvollem Tun und ironisch-poetischen Aneignungen. Eine Kombination aus der Lust an theatralem Nachahmen, Probieren und der suggestiven Kraft mechanischer Welten. Gerade der experimentelle Ort des Versuchslabors erzeugt durch die ihm eingeschriebene Performanz – indem sich Menschen intensiv und fokussiert einem Gegenstand oder einer Aufgabe widmen – eine künstlich entrückte Grundstimmung. Das Versuchsobjekt selbst wird in einen Zustand der Betrachtung (Ausgestelltheit, Einfassung) gebracht und dem Betrachter dieser Objektivierung bezeugt sich eine ‘verschlossene‘, ausschnitthafte Welt.
In den tonlosen HD Videoarbeiten von Malte Bruns folgt man den iterativen Abläufen, in die sie eingefasst wurden.
So weiss man nicht, was erforscht oder getestet wird, oder warum was von wem in Bewegung gesetzt wird. Dennoch entstehen selbst im scheinbar Dilettantisch-Unsinnigen dieses Tuns mit bewusst einfachen Mitteln poetisch surreale Bild- und Videokompositionen. Die hochformatige Videoarbeit Apparat 2 zeigt ein frontal in einen Kasten eingefasstes Männerbein bis unterhalb des Knies. Der Fuss steht auf einem Balgen, der ihn so auf eine Art Sockel positioniert. Frauenhände in gelben Plastikhandschuhen greifen von beiden Seiten in das Innere des Kastens und umfassen das Fussgelenk. In einem Loop von 00:55 min bewegen die Hände mit Hilfe des Balgens den Fuss immer wieder hoch und runter. Der Widerstand des Balgens erzeugt eine zeitlich-visuelle Dehnung und die scheinbar spröde Aktivität eine intim-erotische Aufladung.
Auch die Arbeit Apparat 1 vollzieht ein Spiel mit Kontrastwirkungen.
Man sieht das Profil eines ‘echten‘ menschlichen Männerkopfs, der in einen Sockel eingefasst ist. Das unperfekte Maskenbild bedeckt Gesicht und Haare mit einer schleimigen weissen Substanz. Die Iris der Augen ist weiss. In mechanisch roboterhafter Weise öffnet und schliesst sich der Mund immer wieder. Es wirkt so, als ob diese lebendige ‘Büste‘ einen Roboter nachahmt. Dabei fühlt man sich an die in der Filmindustrie verwendete Animatronik erinnert, die in ihrer gegenwärtigen Entwicklung hochkomplexe, anthropomorphe Mimiken und Gesten animieren kann.
Für seinen installativen Corpus aus einzelnen Videoobjekten kreiert Malte Bruns eine in sich geschlossene Welt, die, neben filmischen Bezügen, kulturgeschichtlich die Welt der Schausteller, der Wunderkammer und des Panoptikums aufgreift. Die Rahmung und Einfassung der Videoarbeiten in individuelle Sockel und Architekturen verstärken diese Hintergründe.
Fotografisch wirkende, feste Bildausschnitte, unsaubere Aneignung und minimalistisch geloopte Bewegungssettings kontrastrieren und verfehlen perfekte Illusionstechniken. „I`ve done … questionable things“ – Evidenzen lösen sich auf und werden zu eigenen Phantasmen.

 

 

 

Christiane Bergelt: there there

8. Januar bis 22. Februar 2015

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Schlinge, 2014

 

Galerie Sturm freut sich, die Einzelausstellung „there there“ von Christiane Bergelt präsentieren zu dürfen.

Ein helles, wässriges Türkis überlagert grünliche und graue Farbschichten. In der Mitte entsteht eine Form, die unbestimmt und kaum greifbar ist. “Taucher”, eine Papierarbeit der Malerin Christiane Bergelt, erforscht wie die meisten neuen Bilder der Künstlerin das Motiv des Wassers aus mehreren Perspektiven. Weniger in konkreter Repräsentation, als vielmehr durch eine Bezugnahme auf die natürlich, flüssige Bewegung, die sich wie in Heraklits Aphorismus “Alles fließt“, der Stagnation widersetzt.

Die Farbbereiche ihrer abstrakten Malereien sind nicht fein geometrisch separiert, sondern sie fließen in andere Farben hinein oder laufen in der Leere des weißen Papiers aus. Wie Kleckse und grobe, ausgewaschene Tupfen malt Bergelt dünne Schichten von Wasser- und Ölfarben übereinander und schafft aus den Ebenen Vorder- und Hintergründe. Sie verwischt scharfen Trennungen und Linien; meidet strikte Grenzen in der Komposition ihrer Arbeiten; umgeht das Statische, indem sie ihre Papierarbeiten lose an der Wand befestigt.

Besonders deutlich werden diese spielerischen Maßnahme der Grenzüberschreitung in ihrer Serie “Lauf” – einer Gruppe von sieben, trapezförmigen Papierarbeiten. In den kleinen Bildern setzt sie verschwommene Felder aus Moosgrün und Schwarz in Kontrast mit einem leuchtendem Weiß, das wie ein künstlicher Fremdkörper in einer ruhigen Moorlandschaft erscheint. Verhüllte, ikonographische Referenzen zur Natur und zu Wasserlandschaften finden sich ebenso in der Farbauswahl und dem Farbauftrag ihrer großen Papierarbeit “Vornüber”. Auch dieses Bild bleibt in seiner Form unbestimmt und orientiert sich vielmehr an fernen Umrissen und Objekten. Der menschliche Körper ist, wie in vielen Arbeiten von Bergelt, vielmehr ein Anlass als das Motiv.

Die Ästhetik des Wassers taucht nicht nur in Titeln und malerischen Mitteln auf, sondern sie reflektiert auch den prozessualen Aspekt von Bergelts Arbeitspraxis: Die Künstlerin bestimmt die Anordnung, Farben und Formen ihrer Bilder meist intuitiv und als Reaktion auf verschiedene Vorgänge im Bild und dessen Umgebung. Ihre Pinselstriche setzen eine Suchbewegung fort, die Stimmungen aufspürt und mit jeder neuen Geste eine andere Richtung einschlägt.

Für den Katalog der Ausstellung “there there” hat sie ihren Arbeitsprozess im Austausch mit der Lyrikerin Judith Nika Pfeifer geöffnet: Bergelt sendete Bilder von Malereien, Fotos und Musik an Pfeifer, die ihre Eindrücke mit einer Auswahl von Texten beantwortete. Bergelt wiederum ordnete die Texte Stimmungen und vor allem ihren Bildern zu und experimentierte so im Dialog mit bewussten und unbewussten Entscheidungsprozessen. Die Reaktionen von Bergelt und Pfeifer sind deshalb keine Übersetzungen vom einen Medium ins andere, sondern sie schaffen etwas ganz eigenes: einen assoziativen Raum, der sich jeglicher Definition entzieht und nur als lyrische Abstraktion wahrgenommen werden kann.