2014

Posted on by

 

Winter-Schaufenster-Projekt am Trödelmarkt

Jude Griebel: Reanimator

25. November 2014 bis 4. Januar 2015

14_Reanimator_Sparrows2_400-3

Reanimator (sparrows 2), 2014

 

Der kanadische Künstler Jude Griebel überträgt in seiner Werkserie „Reanimator“ die traditionelle wissenschaftliche Präsentation der Wirklichkeit durch Modelle und Dioramen auf ein alternatives psychologisches Verständnis von Körper und Natur.
Seine Skulpturen erforschen das zwiegespaltene menschliche Verlangen, einerseits die Natur zu romantisieren aber andererseits unabhängig von ihr zu sein.

 

 

 

 

Ralph Bürgin: souterrain

9. Oktober bis 23. November 2014

concerto2web400

Concerto Underground No.2, 2014 

 

Der Begriff Souterrain steht im Werk von Ralph Bürgin für einen sich dauernd erneuernden Zu- stand des Dazwischenseins und des Halbdunkels. In der Architektur ist das Souterrain (franz. für „unter der Erde“) der Teil eines Hauses, der gewöhnlich unterhalb des Erdgeschosses liegt. Auch Bürgins Gemälde sind in einem Zwischenreich angesiedelt. Sie sind Ergebnisse einer halb ratio- nalen, halb intuitiven Malweise, die das fragile Gleichgewicht zwischen Abstraktion und Figuration untersucht.

Ralph Bürgin beschreibt seine Arbeit oft als die eines Bildhauers. Doch statt in der tatsächlichen dritten Dimension zu arbeiten, lässt Bürgin seine Motive mit dem Mittel des Farbauftrags auf der zweidimensionalen Fläche regelrecht emporwachsen. So könnten seine oftmals großformatigen Arbeiten auch als Monumente gesehen werden, die in die zweidimensionale Ebene gepresst
sind. Im Gegensatz zu den schwungvoll aufgetragenen Farbfeldern in den Bildern, die Sinnlichkeit vermitteln und intuitiv aufgetragen sind, ist die Verwendung der strengen Form der Linie für den Künstler ein Mittel, um innerhalb des Bildgefüges für Stabilität und Ausgewogenheit zu sorgen. Es ist charakteristisch für Bürgins Arbeit, dass der Künstler, während er die menschliche Figur durch Umrisslinien entstehen lässt, Linien nie dazu verwendet, um einen virtuellen Raum anzudeuten oder zu konstruieren. Stattdessen verwendet er die Unterkante der Leinwand oftmals als virtuelle Bühnenraum, einer Vitrine gleich, in der er seine Motive präsentiert.

Obwohl der Künstler es vorzieht mit opaken, statt transparenten Farbschichten zu arbeiten, schei- nen die darunteliegenden Farbschichten und Spuren verworfener Kompositionen stets durch. Indem er die verschiedenen Phasen des Malprozesses offenlegt, werden die Pentimenti nicht nur Teil der Komposition, sondern unterwerfen auch das Motiv einer ambivalenten Verwandlung: Fast wie in einer Animation kann es in Bewegung gesehen und interpretiert werden.

In Bürgins Kompositionen taucht oft der menschliche Körper auf. Der Künstler klammert jedoch realistische Details aus und malt stattdessen Umrisslinien, die schemenhaft anthropomorphe For- men unterschiedlicher Abstraktions- und Repräsentationsgrade beschreiben. Gewisse Gemälde zeigen Fragmente des menschlichen Körpers wie Torsi, Füße, Zähne oder Hände und stellen die Grenzen der Figuration infrage. Manche der Figuren oder Körperteile tauchen in mehreren Bilder auf und werden so zu einem sich wiederholenden Motiv. Bürgins Gemälde scheinen Abbilder einer emotionalen Innerlichkeit zu sein, die mit der Dunkelheit der Farbpalette umso deutlicher und geheimnisvoller hervortritt.

 

 

 

Malte Bruns: The Visitor

1. August bis 7. September 2014

Kuratiert von Jürgen Dehm

Booklet_Entwurf_web2
The Visitor, Videostill (2014)

 

Wo mag sie herkommen? Ist sie menschlichen Ursprungs, die grazile Gestalt in Malte Bruns’ Video „The Visitor“? Regungslos steht sie zwischen zwei blauen, vertikale Falten werfenden Vorhängen. Ins Gesicht mag sie sich nicht blicken lassen, die Figur mit dem Pagenschnitt und dem eng anliegenden, rosa Kleid, denn ihr Kopf ist zur Seite gewandt. Ein weißes Tuch, das von der Stirn bis zur Taille herabhängt, beraubt sie zudem ihres Antlitzes, nimmt ihr die Identität. Von irgendwoher weht ein schwacher Windzug, der das Tuch in sanfte Bewegung versetzt und die üppigen Vorhänge schaukeln lässt.

Im Schauraum der Galerie Sturm am Trödelmarkt in Nürnberg ist Malte Bruns’ Videoarbeit „The Visitor“ den Blicken der Passanten ausgesetzt. Doch der abgewandten Gestalt darin scheint die Aufmerksamkeit, die sie weckt, unangenehm zu sein. Im Schaufenster stehend, einem Ort, an dem traditionell Waren – meist attraktiv inszeniert und dekoriert – zum Verkauf angeboten werden, nimmt sie sich zurück, wendet sich ab. Den Schritt nach vorne, zwischen die Vorhänge hindurch, wagt sie nicht. Das Begehren, das Auslagen im Schaufenster beim Konsumenten gewöhnlich wecken sollen, wird zudem durch die elektronisch erzeugte Opazität auf dem Screen gestört. Wassertropfen und eine Schicht aus Schmierfilm behindern die klare Durchsicht, markieren – im Gegensatz zum glasklaren Schaufenster – die Grenze zwischen Betrachter und Darbietung, zwischen begehrendem Kunden und begehrenswertem Produkt.

Mit ihrem verhüllten Gesicht und der femininen Kontur konnotiert die Figur in „The Visitor“ die Ikonographie der Justitia. Im Gegensatz zur Personifikation der Gerechtigkeit, die mit erhobenen Armen Waage und Schwert präsentiert, fehlen der Gestalt in Malte Bruns’ Arbeit diese Attribute. Deren Arme hängen am Körper herab, die Hände befinden sich außerhalb des Bildfeldes. Mit ihrem gesenkten Haupt erscheint sie in einem Zustand der Resignation. An einer Stelle des Videoloops tritt der Künstler selbst als Spiegelung in Erscheinung, er ist der Besucher, durch den die Figur aus ihrer Erstarrung erwacht. Sie dreht langsam ihren Kopf, wendet sich ihm zu. Die melancholische Atmosphäre, die über „The Visitor“ liegt, wird für kurze Zeit durchbrochen. Es herrscht also (noch) Lebendigkeit in dieser fragilen Gestalt, in ihrer gemahnenden Pose liegt Hoffnung.

 

 

 

 

Jasmin Schmidt:  plot painting

22. Mai bis 6. Juli 2014

Bossenwerk_site
Bossenwerk (2014)

 

Galerie Sturm freut sich, die Einzelausstellung „Plot Painting“ mit neuen Malereien von Jasmin Schmidt zu zeigen.

Jasmin Schmidts “Plot Paintings” beschreiben strukturierte Flächen: Die Kompositionen der großformatigen Bilder formen sich aus Linien, Rauten, Dreiecken oder Quadraten, die einzelne Arbeiten einem individuellen Schema unterordnen. Es sind ästhetische Systeme, entlehnt aus neutralen Grundelementen der Architektur und subjektiven Wahrnehmungserinnerungen, Fotografien, Fundstücken. So bewegen sich Schmidts Arbeiten immer auf einer Schwelle zwischen augenscheinlicher Rationalität und subtil etablierter Emotion. Sie umfassen sowohl die reduzierte Abstraktion des Minimalismus, als auch die Gegenständlichkeit geometrischer Körper. Der Begriff “Plot” vereint diese Ambivalenz: Er verweist im englischen Sprachgebrauch auf die Bezeichnung eines Areals oder einer Fläche, sowie auf den Handlungsstrang einer Narration, und greift damit beide signifikanten Aspekte der Malereien zugleich auf.

Während die Rasterung der “Plot Paintings” jeweils einem kontinuierlichen und logischen Muster zu folgen scheint, bricht der Handlungsstrang ab. Weder Beginn noch Ausgang sind ersichtlich. Die Geschichte des Motivs bleibt ungeklärt. Jede Arbeit erfindet anstatt dessen einen individuellen Bildraum – eine Momentaufnahme – der sich von seinen ursprünglichen Assoziationen und den Erinnerungen ablöst um einen autonomen Standort zu kreieren. Keine Illusion, sondern “das Bild selbst”, so verdeutlicht Schmidt, “ist der Ort, auf den es ankommt, ein neuer Ort.”

In den Malereien von Jasmin Schmidt wird die Architektur selbst zum Bild. Diese Strategie konkretisiert sich zum Beispiel in der Arbeit “Bossenwerk” (2014). Sie zeigt einen Ausschnitt dutzender, geschichteter Diamantquader, die sich zu einem massiven Mauerwerk türmen. Nur die rote Farbe, Licht und Schatten lösen den Nicht-Ort von seiner gänzlichen Unbestimmtheit.

Farb- und Formgebung entstehen bei den Arbeiten erst im Malprozess und in der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Bildträger. Schmidt malt die “Plot-Paintings” auf die Rückseite alter Schullandkarten aus Nesselstoff. Für sie ist dabei weniger der Inhalt, als vielmehr der Zustand des genutzten Mediums von Interesse. Die von ihr re-kontextualisierten Karten weisen Risse und poröse Stellen auf, manche sind befleckt oder von der Sonne ausgeblichen. Diese Eigenschaften werden zum Bestandteil ihrer Malerei – sie sind der Ausgangspunkt für die Motivik. Besonders sticht dieser sorgfältige Umgang mit Materialität in der Arbeit “Cage” (2013) heraus: Dort überlagert sich eine vertikal gestreifte Struktur mit einer gespaltenen, fensterlosen Hütte. Unterhalb dieses architektonischen Körpers ist der Nesselstoff des Bildträgers horizontal mit einem Zweiten vernäht – das Motiv verläuft an dieser Stelle und suggeriert eine Spiegelung der Hütte. Im Wechselspiel lässt Jasmin Schmidt Malerei und Material aufeinander reagieren, sodass sie “ein neues, bildinhärentes System konstituieren.”

 

 

 

 

 

16. Juni bis 21. Juni 2014

voltabanner100

 

 

 

20. März bis 11. Mai 2014
Tobias Buckel:  Display                       

Doppelung
Doppelung (2013)

 

Galerie Sturm freut sich, die Einzelausstellung „Display“ von Tobias Buckel zu zeigen.

Der Nürnberger Künstler Tobias Buckel testet in seinen jüngsten Arbeiten das Medium der Malerei aus, um deren eigene Präsentationsmodi im und vom Raum zu dechiffrieren. Er hinterfragt das Selbstverständnis jenes Inszenierungsraums und macht ihn gleichzeitig zum Inhalt seiner Motivik. In Buckels Kompositionen taucht kontinuierlich die eckige Form eines Rahmens auf, der ausgewählte Bildflächen hervorhebt, malerische Ebenen voneinander trennt, Hinter- und Vordergründe schafft und so ein Bild im Bild, einen Rahmen im Rahmen entstehen lässt. Die Arbeiten wechseln zwischen kleinen und großen Formaten, deren Rahmen wiederum wie eine Erweiterung der Komposition erscheinen. So bezieht sich der Ausstellungstitel “Display” – das englische Wort für Bildschirm oder Anzeige – auf das Bild als Instrument, und nicht ausschließlich als Objekt, der Präsentation.

Eine grafische Ästhetik dominiert die Arbeiten: Linien, Kästen, Kuben und geometrische Körper füllen die Kompositionen der Malereien und nehmen jeweils in gegenständlicher oder abstrakter Form unterschiedliche Funktionen an. Durch ihre Überlagerung entstehen dabei oftmals Kontraste zwischen flachen und räumlichen Bildflächen. Im Gegensatz zu den Formen, die Tobias Buckel in konzentrierten und abwägenden Prozessen auswählt, aufträgt und oft wieder übermalt, entstehen die dünnen Farbschichten seiner Bilder intuitiv und trennen die verschiedenen Rahmungen schließlich voneinander.

Trotzdem arbeitet Buckel nicht mit einem strikt geschlossenen Formenvokabular, sondern integriert auch spielerische Elemente in die Motivik seiner Arbeiten. So trägt etwa das großformatige Bild „Doppelung“ (2013) beide Pole in sich: Konstruiert aus einem figürlich skizzierten Raum, überdeckt ein grobes, verwinkeltes Rechteck die Tiefenperspektive des schemenhaften Hintergrunds. Buckel analysiert dabei das Spannungsverhältnis zwischen dem Bild und seinem direkten Umfeld, und erfindet dafür gezielt malerische Präsentationsräume. Die dreiteilige Papierserie “Panini” (2013) folgt einer ähnlichen Intention, doch ihre figürliche Darstellung und die stumpfe Vinylfarbe unterscheidet sie stark von der Ästhetik der anderen ausgestellten Arbeiten. Hier zitiert Buckel die Vedutenmalereien fiktiver Innenansichten italienischer Paläste, mit denen der Maler Giovanni Paolo Panini im 18. Jahrhundert bekannt wurde. Die Idee vom Display, oder des Zur-Schau-Stellens, setzt sich in diesen Bildern als Ansicht theatraler, von Vorhängen flankierter Kunstsalons fort und unterstreicht damit den Akt der Inszenierung.

Zur Ausstellung erscheint ein Booklet, in dem eine bisher unveröffentlichte Auswahl von Motiven aus dem Skizzenbuch von Tobias Buckel abgebildet ist.

 

23. Januar bis 9. März 2014
Jochen Pankrath:  ,                   

imdm_home
Im Bereich des Möglichen (2013)

 

Galerie Sturm freut sich, die Einzelausstellung “,” mit neuen Arbeiten von Jochen Pankrath präsentieren zu dürfen.

In seiner neuen Einzelausstellung bei Galerie Sturm zeigt der bayrische Künstler Jochen Pankrath mehr als ein Dutzend Arbeiten, in denen er die illusorisch narrative Ebene seiner figurativen Malereien herausfordert und ein Zusammenspiel zwischen fiktionalem und realem Raum forciert. Dabei lässt Pankrath gezielt Elemente aus dem Bildraum in den Galeriebereich heraustreten: In seinem Triptychon Theorie und Praxis (2014) geschieht die Aufhebung der Trennung etwa in der Gestalt eines grünes Puzzleteils, das von dem großformatigen Bild gelöst und auf den Galerieboden gefallen scheint. Was die Theaterwissenschaft als Durchbrechen der imaginären ‘vierten Wand’ zwischen Schauspielern und Publikum bezeichnet, drückt sich hier als Überwindung der Schwelle zwischen Bild und Betrachter aus.

In anderen Arbeiten, wie etwa in seinem Caspar David Friedrich Zitat Abschied der Dame am Meeresstrand (CDF) (2013) geht Pankrath umgekehrt vor und bindet seine persönliche Alltagsrealität, insbesondere die Motive und tatsächliche Spuren von Materialen wie Farbtuben, Pinseln oder einer Rakel, in die Bilder ein. Die darin suggerierte, verschwommenen Diskrepanz zwischen Bild- und Realitätsraum erweitert der Künstler mit seiner Arbeit En Face (2013) zu einer Intervention zwischen Betrachter und Bild: Während die zwei nackten und mit blauer Farbe beschmierten Figuren an Yves Kleins berühmte Performance Anthropometries of the Blue Period (1960) erinnern, fordert Pankrath die Ausstellungsbesucher auf, als Akteure zu agieren und sich aktiv an der Arbeit zu beteiligen. Zwei graue, mit Tafellack bemalte Kartons auf den Köpfen der Figuren sollen mit Kreide bemalt werden und somit den vollendeten Zustand des Bildes immer wieder verändern.

Dabei zielt Pankrath auch auf eine deutliche Unterbrechung gewohnter Strukturen, Kompositionen und Farbeinteilungen ab: Er sucht eine wiederholte Neuschaffung seiner künstlerischen Formensprache und verhindert ihn eingrenzende Schemata. Auch die Protagonistin der kleinen Arbeit Im Bereich des Möglichen (2013) bewegt sich über ihre Grenze (der Leinwand) hinaus und hinterlässt mit einem Pinsel auf der Ausstellungswand einen schwarzen Strich. In dieser kleinen Geste der Überschreitung repräsentiert der Strich nicht nur emblematisch die Brücke zwischen fiktionalem Bildraum und Realität, sondern er fungiert darüber hinaus als Titel der Ausstellung “,”.