Jude Griebel: Arms, Eyes, Detritus
 
14. September bis 27. Oktober 2017
Eröffnung am 14. September um 19.30 Uhr
 
 
Griebel_Modern Grotesque 2Modern Grotesque 2, 2017

 
 
Mit seinem neuen Werk setzt Jude Griebel seine Prüfung unserer zweideutigen Beziehung zu materiellen und natürlichen Welten fort. Die Arbeit an Arms, Eyes, Detritus (Arme, Augen, Schutt) wird auf Regalen ausgestellt, die die Sammlung als anthropologische Artefakte positioniert, wodurch sowohl die Absurditäten als auch die Sorgen des 21. Jahrhunderts enthüllt werden.

Jude Griebel wuchs in der offenen Landschaft der kanadischen Prärie auf. Das ist ein Ort, an dem es leicht fällt, sich vorzustellen, dass die Natur dominant ist, eine Umgebung, in der Menschen heroische Kämpfe ausgestanden haben, um die Natur zu zähmen und in einen bewohnbaren Raum umzugestalten. Auch der blaue Himmel und die sanften Wellen des Getreides können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies eine von Menschen erschaffene, künstliche Welt ist, gentechnisch manipuliert, besprüht mit Giften gegen Unkraut, Käfer und Krankheiten. Die Ruinen von ehemaligen Familienhöfen spicken die Landschaft: Scheunen, die einst Tiere und Getreide beherbergten, Zäune, verlassene Windmühlen, die sich in der Sommerhitze immer noch drehen, wurden alle durch die industrielle Landwirtschaft ersetzt. Im Barn Skull (Scheunenschädel) RR4 und Barn Skull (Scheunenschädel) RR5 (RR ist eine Landstraße in Kanada) interpretiert Griebel die ländliche Ruine als biologische Überreste und beschwört so durch die hohl starrende Scheune einen menschlichen Verlust.

Durch die Verkörperung der Umweltzerstörung und die Darstellung von romantisierten Ruinen in der Form von menschlichen Körpern lädt uns Griebel zu einer merkwürdigen Konfrontation mit unserem Platz in der Landschaft ein, den wir bewohnen und für uns erschaffen. Thinning Glacier (Der Gletscherabbau)  torkelt vorwärts mit der Verwirrung und dem Pathos von Frankensteins Monster, mit einem Körper, der schmilzt und weint, monströs und erbärmlich. In Drag and Stretched Thin (Ziehen und dünn gestreckt) schaffen Emissionen von Düsenjets und Lastwagen eine gestreckte Figur aus einer grauen Wolke; gleichzeitig strecken und ziehen sie ihre fragile und gesichtslose Kreatur in Richtung einer gewissen Zerstörung. Griebel nutzt Diorama-Techniken, um in einer miniaturisierten menschlichen Welt kolossale Figuren zu schaffen. Gleichzeitig eindringlich und ätherisch gibt die wacklige Balance die Unsicherheit einer Gesellschaft wieder, die eine Realität geschaffen hat, die sie sowohl begehrt als auch fürchtet.

Wenn er die Barrieren zwischen uns und dem Schutt unserer materiellen Welt und unserer anthropologischen Vergangenheit aufhebt, entwickeln sich groteske Figuren. In der Serie Modern Grotesques wählt Griebel unverwechselbare Ikonen unserer Unternehmenswelt: McDonald´s, Evian, Coke, Starbucks und die allgegenwärtigen Plastik-Strohhalme und Besteck, mit dem unsere Einwegkultur genährt wird. Die Grimacing Heads (Grimassenköpfe), Ruinen aus der Antike mit geflochtenen Zöpfen, erinnern an die italienische Garten-Statuen aus der Renaissance von Bomaro und Giardino Giusti in Verona; diese zeitgenössischen Chimären prallen aus der Vergangenheit auf die Gegenwart, mit entmutigenden Ergebnissen.

Hier gibt es eine Verspieltheit, die mit der Schwere des Themas in krassem Gegensatz steht. Im Wreck (Wrack) springt ein spielzeugähnlichen Segelboot über bonbonfarbene Wellen in Richtung einer kleinen Insel; unter den Wellen dringt jedoch eine unheimlichere Wirklichkeit an die Oberfläche.  Arms, Eyes, Detritus (Arme, Augen, Schutt) fordert uns heraus, darüber nachzudenken, wo unser Platz in dieser Geschichte ist und zu akzeptieren, dass die Linie möglicherweise nicht so klar ist, wie wir hoffen.

Anne Pratt

 

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