Gloria Zein: ohne Helm und ohne Hose

28. April bis 12. Juni 2016

 
 
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Mit „ohne Helm und ohne Hose“ zeigt die Galerie Sturm eine Einzelausstellung von Gloria Zein.

Während Gloria Zein bislang vor allem durch architekturbezogene Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum oder großformatige Skulpturen aus oftmals industriellen Materialien in Erscheinung getreten ist, umfasst ihre aktuelle Präsentation Keramiken eher kleineren Formats, die während der vergangenen drei Jahre entstanden sind.

Ein ihrem Werk inhärenter Bezug zur Architektur bleibt jedoch in aus Lochblech gefertigten Tischen, die als Präsentationsmittel der verschiedenartig glasierten Tonobjekte fungieren, latent erkennbar. Der konstruktiv-funktionale, serielle Charakter des industriellen Materials kontrastiert mit den weichen, organischen Formen der handgefertigten Keramiken, seine raue, rationale Oberfläche mit der von zufälligen Sprenkeln und Farbverläufen gekennzeichneten Glasur der Objekte sowie ihrer Farbgebung, die manches Mal an Inkarnat denken lässt und den menschlichen Körper konnotiert. Somit inszeniert die Kombination von Objekten und Tischen das Verhältnis von strukturgebendem Gerüst und individuellem Antlitz verleihender Hülle, welches nicht nur der Architektur eignet, sondern auch bspw. dem Subjekt und der Gesellschaft – sowie nahezu allen komplexen Konstrukten, als deren Urbild der Körper in seiner symbolischen Form auftritt.

Gleichwohl bleibt schwer zu bestimmen, ob hier eine symbolische Form verleihende Struktur, das Skelett der Lochblechtische, von den organischen Keramiken freigelegt wird oder im Gegenteil erst verdeckt werden soll. Mehr noch, die Keramiken selbst erscheinen gleichsam ambivalent: Wie verkohlte Rückstände einer ehemals unversehrten und lieblicheren Form oder bisweilen an Prothesen, Korsette und Wundverbände erinnernd, evozieren sie Wunden und Verletzlichkeit, sind zugleich aber die Spur von Gewalt. Von einer früheren zerstörerischen Kraft zeugend, konfrontieren sie den Betrachter zwar unbewaffnet ganz ohne Helm und ohne Hose, provozieren ihn dabei jedoch mit ihrer Widerstandskraft und ihrer Weigerung des Vergessens und Verschweigens. Ihre Wunden, Pflaster und Korsette präsentierend, treten sie einem ohne Distanz und ohne Scham entgegen und offenbaren ihr Angesicht, in dessen Spiegel künftige Konflikte wie ein Menetekel sichtbar werden.

Anna Grande

 

 

Donnerstag 18 bis 20 Uhr und Sonntag 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung: 0049 176 780 916 35

 

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